Die unbequeme Frage
«Warum nicht React?» — ich höre sie in jedem Bewerbungsgespräch, bei jedem neuen Kunden, auf jeder Konferenz. Die Frage impliziert, dass React der Standard ist und alles andere eine Rechtfertigung braucht. Ich sehe das anders.
Die pragmatische Antwort
Vue.js ist nicht meine Lieblingsfarbe — es ist ein bewusster Technologie-Entscheid, den ich alle paar Jahre neu evaluiere. Hier ist, warum ich 2026 immer noch bei Vue bleibe:
Composition API ist elegant
Die Composition API (seit Vue 3) löst das grösste Problem der Options API: Logik-Wiederverwendung. composables sind einfacher zu testen, zu typisieren und zu verstehen als React Hooks — weil sie keine versteckten Regeln haben (keine Rules of Hooks, keine Closure-Fallen).
// So sieht eine Vue-Composable aus: klar, testbar, kein Magic
export function useCounter(initial = 0) {
const count = ref(initial)
const increment = () => count.value++
return { count, increment }
}
Single-File Components sind Architektur
Template, Script, Style in einer Datei — das ist kein Kompromiss, das ist Architektur. Ich sehe auf einen Blick, was eine Komponente tut, wie sie aussieht und wie sie sich verhält. Kein Suchen in drei verschiedenen Dateien.
Das Ökosystem ist fokussiert
Nuxt, Pinia, VueUse, Vitest — das Vue-Ökosystem hat für jedes Problem eine klare, community-akzeptierte Lösung. Kein «Paradox of Choice» wie bei React, wo für State Management allein 15 Bibliotheken konkurrieren.
Performance ist eingebaut
Vues Reaktivitätssystem ist feingranular: nur die Komponenten re-rendern, die sich tatsächlich ändern. Kein useMemo, kein useCallback, kein manuelles Optimieren gegen unnötige Re-Renders.
Die strategische Antwort
Der Schweizer Markt ist tatsächlich React/Angular-dominiert. Aber genau das macht Vue-Expertise auf Senior-Niveau selten und wertvoll. Unternehmen, die Vue einsetzen — und das werden mehr — suchen händeringend nach erfahrenen Entwicklern.
Was ich von React lerne
Fairerweise: React hat Dinge, die ich bewundere. Server Components sind konzeptionell brilliant. Die Community produziert herausragendes Tooling. Und die Verbreitung bedeutet, dass ich React-Code lesen und verstehen kann, auch wenn ich es nicht als erstes Werkzeug wähle.
Die ehrliche Antwort
Nach 10 Jahren Vue kenne ich seine Stärken und Schwächen besser als die meisten. Ich weiss, wo die Abstraktion leckt, wo die Performance-Fallen lauern, welche Patterns sich bewähren und welche nicht. Dieses Tiefenwissen macht mich in Vue-Projekten effektiver als ein Senior React-Entwickler, der gerade umsteigt.
Und am Ende zählt nicht das Framework — es zählt, was damit gebaut wird.